Olga RYKOVA
Studium an der Universität zu Köln:
- Kunstgeschichte
- Deutsche Philologie
- Mittlere und Neuere Geschichte
Feb. 2012: Abschluss des Studiums mit Magister Artium (M.A.)
April 2004 – Aug. 2007: paralleles Studium:
- Bildende Kunst an privater Kunstschule in Köln u.a. Unterricht bei Vladimir Kuzmin (molitor&kuzmin), Jung Suk Ryu, Gerrit Göllner, Lucian Drenea
Sept. 2007 – März 2008:
- Auslandsstudium an der Universidad de Sevilla in Spanien
seit Dez. 2008:
- Mitglied im Artclub, regelmäßige Teilnahme an Gruppenausstellungen, Einzelausstellung im April 2010
seit Sept. 2010:
- Siebdruck bei Birgit Jensen
Der Galerist Parzival über „Wonderland“
Olga Rykova stellt unter dem Titel „Wonderland“ in der Passage aus.
Scheinbar frei und ungehemmt drauflosgemalt will sie tatsächlich die
Unbefangenheit der Kindheit aufleben lassen und die Farben und Formen in
Dynamik und Aufbruch bringen. Dies ist wohl ihr Anliegen; viel sagen möchte
sie über ihre künstlerischen Arbeiten nicht.
Diese sprechen auch überzeugend
für sich, abstrakte Farbspiele die fantasieanregend sind und gute Stimmungen
beim Betrachter erzeugen sollen, hat sie ausgestellt. Leicht, luftig,
transparent und verspielt sind ihre Bilder, meist in hellen, freundlichen
Pastelltönen gehalten, aber immer farbintensiv und kontrastreich ins Bild
gesetzt. Teilweise tauchen rudimentär Landschaften auf oder andere
Assoziationen zu diesem Thema. Ein Farb-Universum begegnet dem Betrachter,
freie Formen und Farbverläufe führen in die Tiefe des Unbewussten.
Olga Rykova experimentiert sehr gekonnt und stilsicher, ihre Bilder streicheln
die Sinne, berühren das Herz und machen Spaß; ein bunter Reigen und reines
Kunst- und Farbvergnügen.
Text/Rede, 9.4.2010
Wir sind alle eins
Olga Rykova widmet sich in ihrem Oeuvre der geometrischen Grundform des Kreises in Kombination mit einer durchdringenden, strahlenden Farbigkeit. Die Intensität der Farben, welche die Künstlerin wirkungsvoll gegeneinander setzt, scheint die Aufmerksamkeit des Betrachters geradezu anzuziehen. Dies hat sich inzwischen zu einer Art stilistischer Eigenheit der Künstlerin entwickelt und wird von ihr auf unterschiedlichste Spielarten immer wieder neu eingesetzt.
Die ausgestellten Werke sind im Siebdruckverfahren entstanden.
Dabei hat die Künstlerin die Kreise zunächst mit Abdeckfarbe auf eine Folie gemalt, die für die nachfolgende Herstellung einer Schablone nötig ist. Nachdem das Sieb mit einer lichtempfindlichen Emulsion beschichtet, die Folie aufgelegt, belichtet und das Sieb danach ausgewaschen wurde, ist die Druckschablone fertig. Mit einer Rakel wird schließlich die Farbe durch das Sieb gedruckt. Alle Arbeitsschritte werden manuell durchgeführt und erhalten somit individuelle Züge, wodurch jedes Werk zum Einzelstück wird.
Spätestens seit der Pop-Art ist der Siebdruck als künstlerisches Verfahren etabliert. Der silberfarbene Maluntergrund ist als gezielter Hinweis auf die Werke und die Arbeit von Andy Warhols Factory und damit als Hommage an einen der wichtigsten Begründer der Pop-Art zu verstehen. Auch die Farbwahl lässt Bezüge zu dieser Kunstform erkennen. Sie beruht auf dem Grundsatz der Künstlerin, mit ihren Bildern positive Assoziationen beim Betrachter zu wecken. Durch die schablonenhafte, flächige Darstellungsweise mit hart erscheinenden Farbübergängen weisen die ausgestellten Werke außerdem Elemente des Hard Edge auf.
Auf die Frage, warum sie sich in ihren Arbeiten immer wieder für die Kreisform entscheide sagt die Künstlerin, es handle sich wohl um eine Art Manie, um ihre Obsession. Aber auch der meditative Charakter ist für sie ein gleichbleibend attraktives Faszinosum. Wie der Ring kann der Kreis als kulturelles Symbol für die Ewigkeit verstanden werden.
Aus einer gesellschaftlichen Perspektive betrachtet, sieht sie darin das einzelne Individuum zum einen in der Abgrenzung, aber auch in der Interaktion zu seinen Artgenossen. „Zur Beschreibung von Gruppen findet sich der Begriff Kreis ja schon in unserem alltäglichen Sprachgebrauch wieder, beispielsweise sprechen wir vom Freundeskreis, oder vom Kreis der Familie“, so die Künstlerin. „Grundsätzlich ist der Mensch ein soziales Wesen, wir sind auf Kontakte zu anderen Personen angewiesen. Jegliche Kommunikation kann zu neuen Erkenntnissen führen, die unsere Persönlichkeitsbildung beeinflussen. Außerdem kann durch den Zusammenschluss mit anderen Menschen vieles erreicht und verändert werden.“
Ähnlich wie Luftbläschen, die an die Wasseroberfläche steigen und sich dort verbinden, bilden sich größere Zusammenschlüsse, die ebenso wie die geometrische Form als Kreis bezeichnet werden.
Die Mehrdeutigkeit der Werkreihe wird auch durch den Titel der Serie „Wir sind alle eins“ unterstrichen, welcher dem Betrachter einen Denkanstoß zur Werkinterpretation liefert, sich gleichzeitig aber einer eindeutigen Auslegung entzieht. Durch diese Offenheit gibt Rykova dem Betrachter Raum für eigene Assoziationen und Emotionen.
Eva Struckmeier, Kunsthistorikerin